Herzlich willkommen am Adam-Kraft-Gymnasium 

Titel Broschure

 

Anmeldung am Adam-Kraft-Gymnasium

vom 6. - 10. Mai 2019

Wir erwarten Sie im Raum H14, 1. Stock, von Montag bis Freitag

ab 8.00 Uhr.

Vorab können Sie bereits das Anmeldeformular herunterladen

und ausgefüllt zur Anmeldung mitbringen.

 

Eröffnungsvortrag der "Techniktage" 2019

Doping-Experte Fritz Sörgel: „Das Arzneimittel ist zu billig“

Vortrag Sörgel 2Seit mittlerweile 17 Jahren realisiert das Adam-Kraft-Gymnasium sehr erfolgreich die „Tage der angewandten Naturwissenschaften“. Die Projekttage vernetzen die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft und Schule, um für universitären Nachwuchs in den MINT-Fächern zu werben und berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Die Maschinenfabrik Niehoff erweist sich in jedem Jahr dieser Kooperation als unverzichtbarer Partner.

Stefan Nixdorf, Leiter der Abteilung Entwicklung und Konstruktion, machte in seiner Einführung den 120 Zuhörern deutlich: Niehoff ist ein „Global Player“ mit seinen internationalen Standorten in China, Indien, Brasilien und Nordamerika. Gleichzeitig betonte er die unverzichtbare Kooperation mit den regionalen Hochschulen und verwies auf die Möglichkeit eines Dualen Studiums bei der Maschinenfabrik. Zudem plädierte Nixdorf für eine „gesunde Abwägung, sich nach dem Abitur für einen Ausbildungsberuf oder ein Studium zu entscheiden“. AKG-Chef Harald Pinzner appellierte an die zahlreich anwesenden Schülerinnen und Schüler, früh die Initiative zu ergreifen, um die Interessen in den MINT-Fächern über den Schulunterricht hinaus, beispielsweise in „Jugend forscht“-Projekte wie die Entwicklung einer Brennstoffzelle zu intensivieren.

Mit Prof. Dr. Fritz Sörgel konnte einer der anerkanntesten Pharmakologen in Deutschland für den fachwissenschaftlichen Eröffnungsvortrag gewonnen werden. Er leitet das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg und gilt international als Koryphäe im Nachweis von Doping. An den Beginn seines Vortrags, in dem er den Bogen von der Entwicklung von Medikamenten bis hin zu den verschiedenen Formen des Dopings schlug, stellte er einen uneingeschränkt nachvollziehbaren Fakt: „Das Arzneimittel ist zu billig. Für neun Cent erhält man rezeptfrei eine Schmerztablette.“ Das ist ein erschreckender Gegenwert, wenn man die Kosten für die Entwicklung eines Medikaments bedenkt. Eine Studie aus dem Jahr 2017 belegte zudem, dass in Deutschland pro Kopf im Durchschnitt 45 Euro mit der so genannten „rezeptfreien Gesundheit“ verdient werden. Nur die Amerikaner gaben noch mehr Geld für Arzneien aus. Sörgel gelangte schnell zu einem wesentlichen Punkt, der sicher nicht neu ist, den man sich aber immer wieder bewusst machen sollte: Die Pharmaindustrie basiert auf einem milliardenschweren Geschäft. Allein die Entwicklung eines Arzneistoffes kostet circa eine Milliarde Euro und kann sich über zehn Jahre hinziehen. Dementsprechend muss die Gewinnspanne diese Entwicklungskosten auffangen.

In einem kleinen Exkurs gab der Pharmakologe auch einen Einblick in die Einflüsse der Homöopathie. Sörgel ist sicherlich kein Befürworter der pflanzlichen Heilkunde, aber er wies explizit darauf hin, dass Pflanzen die Basis für wichtige Medikamente bilden. Aus der Weidenrinde wurde beispielsweise schon im 19. Jahrhundert der Wirkstoff für Aspirin gewonnen.

Man merkte Professor Sörgel seine Passion für seinen Beruf an, wenn er entlarvend seine Zuhörer über „Functional Food“ informierte. Dieser Nahrung wurden in der Werbung Arzneimitteleigenschaften zugeschrieben. Das bekannteste Beispiel ist sicher ein Joghurt-Drink, der das Immunsystem stärken sollte. „Da der Nachweis für die Wirksamkeit nicht erbracht werden konnte, darf nach EU-Richtlinien nicht mehr damit geworben werden“, klärte der Wissenschaftler auf. Er sensibilisierte sein Publikum dafür, beim Einkauf auf unseriöse Produktversprechen, die den Gesundheitsbereich betreffen, vermehrt zu achten.

Einen Ausblick auf eine systematischere Krebstherapie gab Sörgel sehr plastisch. Anhand einer Grafik wurde deutlich, dass die Zukunft der Krebsbekämpfung in der personalisierten Medizin liege. Anhand von Blut-, DNA-, Urin- und Gewebeanalysen wird künftig eine so genannte Biomarkerdiagnostik möglich sein – eine sehr kostspielige Methode, die aber über ein absolut zukunftsträchtiges Potential verfügt.

Dass Fritz Sörgel in seiner Mission als „Anti-Doping-Kämpfer“ die größten Skandale untersucht hat, wurde im letzten Teil seines Vortrags deutlich. Er attestierte dem Leistungssport, keine Ethik zu haben: „Da wird alles gefressen, was der Arzneimittelschrank hergibt. Rücksicht auf die eigene Gesundheit? Das gibt es nicht.“ Diese Rücksichtslosigkeit im Umgang mit dem Sportlerkörper zeigte sich in der Auflistung bisher bekannter Dopingmittel: Narkotika, Anabolika, Stimulanzien oder so genannte Maskierungsmittel, deren Enzyme dazu verhelfen, die Zusammensetzung des Urins zu verfälschen. Erschreckend beschrieb Sörgel auch die Wirkung des Hormons Erythropoetin (EPO), das die Entwicklung der roten Blutkörperchen fördert. EPO wirkt als Pulshemmer und so berichtete der Doping-Experte über Radrennfahrer, die nachts die Gänge entlangjoggten, um ihren viel zu niedrigen Puls wieder ein wenig nach oben zu treiben. Deutliche Worte beschlossen den Vortrag: Sörgel sprach von der Dopingmentalität der Gesellschaft, die einem unerschütterlichen Glauben an die uneingeschränkte Wirksamkeit von Medikamenten erliege. Dass Fritz Sörgel unermüdlich gegen dieses Phlegma ankämpft, hat er mit seinem pharmakologischen Wirken eindrucksvoll bewiesen.

Text/Foto: Stefanie Ulrich