Das war's - die letzten Lehrer

Darth Vader, der sich auf dem Todesstern in heroischer Pose und selbstgefällig zur Titelmelodie von „Star Wars“ im Lichtkegel sonnt, ist pleite - der Ausgangspunkt für einen kultigen Streifzug durch verschiedene Galaxien, die von den tapferen AKG-Recken bereist werden. Sie sind auf der Flucht vor dem i-Virus, das der geschäftstüchtige Darth Vader den Schülern und Lehrern mit einer App implantiert hat. Das „i“ steht für „ignorantia“, denn Gleichgültigkeit breitet sich rasant im Schulwesen aus, wie der Raptext zum youtube-Hit „Is’ mir egal“ mit einer dynamischen Hiphop-Performance transportiert.

Im Kampf gegen das „i-Virus“ kann auch der intergalaktische Anrufbeantworter im AKG-Sekretariat keine befriedigende Abhilfe schaffen und so machen sich die AKG-Flüchtlinge zum robotergesteuerten Planeten „Cultus Ministeria“ auf. Doch hier ist man nur emsig beschäftigt, einen neuen Lehrplan zu erschaffen: Die großen alten Bildungsinhalte „fliegen raus, es werden Kompetenzen draus“. Mit einem lapidaren „Mahlzeit“ werden die AKGler von den Roboterbeamten abgefertigt und fliegen in ihrer Ratlosigkeit weiter nach Utopia. Dort haben zwar die fortschrittlichen Aliens alle Probleme aus der Dummheit folgenden Ausbeutung von Mensch und Ressourcen gelöst. Jedoch sind die inzwischen vom i-Virus angegriffenen Lehrer genauso begriffsstutzig wie Chantal, die jetzt die 11. Klasse besucht und die das Publikum bereits aus den früheren Aufführungen kennt und liebt. Für den bisherigen Misserfolg der Mission gibt es eine gehörige Standpauke vom Kommandeur: Die beiden Lehrer werden zum endlosen Protokolle-Schreiben und –Korrigieren verdonnert. Dass es gar nicht (nur) um Schule geht, sondern um die Abgründe des Turbokapitalismus im Gewand der totalen Digitalisierung, merkt man dann spätestens bei der Enttarnung von Darth Vader. Zur Melodie von „Kleine Taschenlampe, brenn’“ wird gesungen von Shareholder-Interessen, Steuerhinterziehung, Manipulation und Konsumorientierung. Diese Fallhöhe wird mit einem Sterntrabanten-Ballett ironisch gebrochen.

„Irgendwie irgendwo irgendwann“ müsste doch noch der Verstand der Menschheit einzuschalten sein. Mit dieser Hoffnung begibt sich das Team auf den Planeten von Meister Yoda. Aber wenn man – wie Chantal – die Weisheiten des Meisters nur noch bei Siri eingeben kann, dann kommt man der Lösung des Problems eben nicht näher. Eine Fotoserie dokumentiert – nur ein wenig überspitzt – den (fast) real existierenden Mediengebrauch in der Schule. Es muss dringend ein verantwortungsvolles Medienkonzept erstellt werden. Vielleicht kann Meister Yoda dafür den entscheidenden Rat geben: „Dein Smartphone du richtig herum halten musst...“ Zum Schluss verwandelt sich der Medien-Arbeitskreis in einen Chor und wiederholt noch einmal den David Bowie-Song „Ground Control“. Aus dem Weltall ruft die Mannschaft des AKG schließlich dem Publikum zu: „Sind wir auch erst tausend Meil’n entfernt, haben wir schon was gelernt. Und das zeigen wir euch jetzt statt RTL. Und wir wollen, dass es ankommt und nicht nur – gefällt!“ Unter der Leitung von Daniela Schwardt haben Lehrer, Referendare und Schüler ein gemeinschaftliches Kabarett-Projekt mit viel Liebe zum Detail auf die Beine gestellt, das aus den Synergieeffekten der Schulfamilie entstanden ist und umso mehr Mitgliedern dieser Gemeinschaft in drei ausverkauften Vorstellungen im Blauen Theater großes Vergnügen bereitet hat.

Stefanie Ulrich