"Ich muss Menschen studieren" - ein Autor liest am AKG

Klar und schnörkellos formuliert der Schweizer Peter Stamm seine Beweggründe, Schriftsteller zu werden. Für die Schülerinnen und Schüler der Q11 hat er sein aktuelles Werk „Weit über das Land“ mitgebracht. Ohne große Umschweife beginnt Stamm die Lesung mit dem ersten Kapitel, das zugleich den Ausgangspunkt der Handlung darstellt: Ein Mann, Thomas, verlässt ohne sichtliche Beweggründe nach einem Urlaub mit der Familie sein Haus, legt sein altes Leben ab und hinterlässt seine ratlose Ehefrau Astrid sowie seine beiden Kinder. Ein solches Verhalten wirft unglaublich viele Fragen auf, die existenziellste stellt sich im weiteren Handlungsverlauf: Lebt der Protagonist Thomas überhaupt noch?

Peter Stamm gibt sich sympathisch und nahbar. Er öffnet sich den Fragen der Schüler auf sehr unprätentiöse Weise und zeichnet zugleich ein realistisches Bild vom Berufsalltag eines Schriftstellers. Eindringlich macht er deutlich, welchen Stellenwert die intensive Überarbeitung seiner Texte hat: „Wenn ich eine Stelle bei der 25. Überarbeitung langweilig finde, dann wird sie rigoros gestrichen oder umformuliert.“

Den künftigen Abiturienten gibt er den Rat, beim kreativen Schreiben einen emotionalen Ansatz zu wählen. Denn nur dadurch könnten sie „Welten bauen“.

Text/Foto: Stefanie Ulrich