„Hin und weg“

9. Klassen besuchen Sonderausstellung zu Migration und Kulturtransfer von und nach Schwabach im Stadtmuseum

SAM 8482 SmallWarm war´s am 23.06.2017 auf dem Weg zum Stadtmuseum, doch noch heißer nicht nur im übertragenen Sinn wurde es in der Ausstellung „Hin und weg“, die nicht – wie erhofft - in gut klimatisierten Räumen stattfand, sondern in tropischer Schwüle, die dem Gobelin-Teppich geschuldet war, der nur bei konstant hohem Feuchtigkeitsgehalt aufbewahrt und präsentiert werden darf! Weit mehr als 900 Jahre Schwabacher Siedlungs-, Wanderungs- und Kulturgeschichte werden in der Sonderschau, die noch bis zum 23. Juli im Stadtmuseum zu sehen ist, längsschnittartig beleuchtet. Für die 9. Klassen bot sich im Rahmen des Geschichtsunterrichts mit der Behandlung der Migrationsströme nach dem Zweiten Weltkrieg und anlässlich des Stadtjubiläums eine gute Gelegenheit die Überblicksausstellung zu besuchen.

Geleitet von zwei Museumspädagoginnen wurden die 9. Klassen in drei Zeitschienen durch die gut und übersichtlich gegliederten Ausstellungsräume geführt, in denen einer der in Schwabach gefertigte hugenottische Gobelin-Teppich mit Frühlingsallegorie aus dem Jahr 1745 das Highlight bildete. Für den Markgrafen Brandenburg-Ansbachs als Teil einer Jahreszeitenserie gefertigt, kam er über verschlungene Wege wieder in den städtischen Besitz und wird seit zwanzig Jahren erstmals wieder Publikum gezeigt.

Neben diesem außergewöhnlichen Exponat erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie stark Schwabach seit den ersten vorgeschichtlichen Siedlungsspuren von Wanderungsbewegungen geprägt war, welche massive Ressentiments den Zugezogenen vonseiten der „Einheimischen“ entgegenschlugen und wie schon innerhalb einer Generation ein friedliches und infolge Kulturtransfer bereichertes Zusammenleben möglich wurde. Die Flüchtlings- und Umsiedlerströme nach Schwabach nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Stadt etwa 20-25 % seiner Einwohnerzahl zusätzlich aufnehmen musste, was in etwa 5000 Menschen entsprach, wurde im Hinblick auf den Lehrplan des Faches Geschichte der 9. Jahrgangsstufe besonders in den Blick genommen. Somit wird das geschichtliche Lernen am regionalen Beispiel zum Modell für gelingende Integration in Gegenwart und Zukunft angesichts aktueller Migrationsbewegungen und mahnt zu mehr Gelassenheit und Mut bei der Bewältigung von Integrationsfragen.

Andererseits thematisiert die Ausstellung auch die Auswandererströme von Schwabach weg, zeigt Ursachen und Integrationsschwierigkeiten in die neuen Gesellschaften auf, exemplarisch am Beispiel der Auswanderungswelle nach Amerika im 19. Jahrhundert. Sehr plastisch wird sichtbar, dass die Franken in Amerika nicht unbedingt ein Musterbeispiel an Integration abgaben, sondern ihre mitgebrachte Kultur bewahren und sich ihrer selbst vergewissern wollten. In einem New Yorker Lokal namens „Nürnberger Trichter“ wurde sogar ein fränkisches Fest gefeiert, zu dem Exulanten aus Georgensgmünd und Schwabach eingeladen wurden.

Aufgelockert wurde der Museumsbesuch durch das aktivierende Privilegienspiel, das nachdrücklich Benachteiligungen bestimmter sozialer Gruppen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft aufdeckte und plastisch vor Augen führte.

Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch konnte einige 9. Klasse noch die Gelegenheit zu einem vertiefenden Stadtrundgang nutzen.

(Text u. Fotos: Markus Wawrzynek)