Diskussion am Europatag: Q11-Schüler befragen Experten

„Warum muss der Salzgehalt im Brot europäisch geregelt werden?“ Auch dieser skurill anmutenden Problematik nahm sich Tobias Winkler, Leiter des Informationsbüros des europäischen Parlaments in München, bereitwillig an. Anlässlich des Europatages stellte er sich den Anliegen der Q11-Schülerinnen und Schüler in der Mensa des Adam-Kraft-Gymnasiums.

Schwabach (akg) Zu Beginn gewährte der gebürtige Roßtaler den Jugendlichen einen Einblick in seine Arbeit in der Landeshauptstadt: Der Politikwissenschaftler sammelte bereits in Brüssel Erfahrungen in der Europapolitik, bevor er 2015 Leiter des Informationsbüros wurde. Winkler unterstützt von München aus die Öffentlichkeitsarbeit aller deutschen Abgeordneten – parteiübergreifend.

Mit einem Dokumentarfilm, der anlässlich des sechzigsten Jahrestages der Verträge von Rom entstanden war, führte er den Oberstufenschülern eine essentielle Basis der EU noch einmal vor Augen: die Gründung einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

509 Millionen EU-Bürger, 28 Staaten, 24 Amtssprachen, 141 Milliarden Euro im Haushalt und 751 Abgeordnete – das sind die derzeitigen Rahmenbedingungen einer europäischen Union, deren gemeinsame Werte und Ziele gegenwärtig in besonderem Maße auf dem Prüfstand stehen: Doch der befürchtete Dominoeffekt durch den Brexit blieb bis jetzt aus. Den Austritt Großbritanniens hält Tobias Winkler für eine sehr bedauerliche Entscheidung. Das Ergebnis führte er einerseits auf eine Kampagne zur Verbreitung von Unwahrheiten zurück, andererseits würde er einer erneuten Abstimmung einen anderen Ausgang prophezeien – den Verbleib in der EU. Auf die Nachfrage eines Schülers, wie die Stimmung im Europaparlament gegenüber den Forderungen des United Kingdoms sei, konstatierte Winkler eine klare Positionierung der EU: „Für Großbritannien wird es keine Sonderregelungen geben. Wenn der Austritt vollzogen ist, wird der Inselstaat wie ein Drittland behandelt werden.“ Auch wirtschaftliche Sonderregungen schloss der Europaexperte aus. Im weiteren Diskussionsverlauf wurde auch die Frage formuliert, warum die EU-Beitrittsgespräche angesichts der massiven Beschneidung der Pressefreiheit in der Türkei nicht abgebrochen werden. Der Politikwissenschaftler prognostizierte, dass die Beitrittsverhandlungen angesichts des Vorhabens, die Todesstrafe wiedereinzuführen, bald eingestellt würden. Er betonte jedoch, dass es absolut unerlässlich sei, die diplomatischen Beziehungen und damit die Gesprächsbereitschaft aufrechtzuerhalten. „Die unerlässliche Bereitwilligkeit zur Diplomatie hat Europa definitiv die längste Friedenszeit beschert“, erklärte der Referent den Q11-Schülern. Auch der Jugoslawien-Krieg sowie die immer noch schwelende Ukraine-Krise konnten die Aussicht auf eine wirklich dauerhafte Befriedigung nicht eindämmen.

Tobias Winkler schloss den neunzigminütigen Austausch mit den Jugendlichen mit einem leidenschaftlichen Plädoyer: „Bereist Europa, lernt die Mitgliedsländer kennen, lotet zukünftige Berufschancen im Rahmen der EU aus, nutzt eure demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten und geht zur Wahl, denn die Zukunft unseres europäischen Staatverbunds liegt in euren Händen!“

Text/Foto: Stefanie Ulrich