„It´s the next generation, your generation, that have to know!“

Exkursion der 9. Klassen in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Am 20.02.2017 besuchte die 9. Jahrgangsstufe die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in der Oberpfalz nahe der tschechischen Grenze. Im „bayerischen Sibirien“, wie die meist grundlos inhaftierten KZ-Insassen den Ort nannten, erfuhren die Schülerinnen und Schüler bei nasskalter, nebliger Witterung in sechs Kleingruppen, die von Rundgangsleitern über das Areal der Gedenkstätte geführt wurden, Details der menschenverachtenden nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik.

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Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers wurde an verschiedenen Stationen wie dem Appellplatz, auf dem die entmenschlichenden Aufnahmerituale bei Hitze wie Eiseskälte stattfanden, der Kommandantur, die aus Flossenbürger Zwangsarbeiter-Granit erbaut wurde, dem Häftlingsbad, in dem die Capos ihre sadistischen Gewaltexzesse verübten und vor dem „Tal des Todes“, in dem würdelos Menschen massenhaft verbrannt wurden, an die Inhumanität des KZ-Systems exemplarisch erinnert. Das besonders Perfide daran: Die Konzentrationslager wurden von den Nationalsozialisten propagandistisch seit der Gründung des KZs Dachau 1933 immer wieder verharmlosend als Lager für Menschen in „Schutzhaft“ bezeichnet, die vor dem Mob der Straße geschützt werden müssten, so auch in Flossenbürg. Dass schon allein die gestreifte Häftlingskleidung die Inhaftierten zu Verbrechern herabwürdigte, musste jedem Beobachter die offensichtliche Verlogenheit der NS-Propaganda deutlich machen.

Den Flossenbürger Einwohnern war schon vor Errichtung des Konzentrationslagers 1938 klar, was die SS vorhatte. Noch im Frühjahr 1938 berief die SS eine Bürgerversammlung in Flossenbürg ein, auf der die Bürgerschaft über das Bauvorhaben und die systematische Ausbeutung des Granitvorkommens mittels Zwangsarbeit informiert wurde. Angesichts der regen Beteiligung und Zustimmung der Bürgerschaft kann ein „Wir haben von nichts gewusst!“, das in Nachkriegsdeutschland und auch in Flossenbürg immer wieder zu hören war, als Lüge entlarvt werden. An diese und weitere Aspekte der Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg erinnerten die Guides während ihrer Rundgänge.

Neben der Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers von 1938-1945 besuchten die Schülerinnen und Schüler auch die Ausstellung „WAS BLEIBT - Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg“, die den Umgang mit dem Ort der Folter und des Mordens im Nachkriegsdeutschland differenziert thematisiert.

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Besonders beeindruckt hat die Neuntklässler auch die Sonderausstellung „Family Affair. Israelische Porträts“ des Fotografenehepaars Reli und Avner Avrahami, die noch bis zum 30. April 2017 im Gebäude der ehemaligen Häftlingsküche gastiert. In farbenfrohen Fotografien mit sehr persönlichem Text werden zufällig ausgewählte Familien im heutigen Israel porträtiert und die bunte Vielfalt und die Spannungen der israelischen Gesellschaft, ihre religiösen, sozialen, politischen und ethischen Risse im Alltag, im Familienleben und in den Wohnverhältnissen thematisiert.

Die Sonderausstellung kommt ohne moralischen Zeigefinger aus, zeigt einen sehr subjektiven Blickwinkel und schlägt die Brücke vom europäischen Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts über den Holocaust und die zionistische Gründung Israels als Zufluchtsstätte in Eretz Israel bis hin zum aktuellen Alltag in Israel heute und ist als Ergänzung zu den Dauerausstellungen in Flössenbürg wärmstens zu empfehlen!

Gedenken muss lebendig bleiben, historische Wurzeln für die Gegenwart erkannt werden, Erinnerungen, auch schmerzhafte, von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden! Daran wollen wir auch in Zukunft arbeiten.

Markus Wawrzynek

für die Fachschaft Geschichte